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Höhepunkte 2010

Uraufführung
Jörg Wilkendorf und Salome Kammer

„Offene Wunden“ Welturaufführung
Ein Abend des Ensemble Modern mit zwei Songspielen und Film

Kurt Weill (1900-1950)
Mahagonny Songspiel (1927)
Text: Bertolt Brecht

Helmut Oehring (*1961)
Die WUNDE Heine (2008/09, UA 2010)
Kleines episches Songspiel mit Interludien
Textbuch: Stefanie Wördemann
nach Texten von Heinrich Heine und Helmut Oehring


Solisten: Salome Kammer (Sopran), Sylvia Nopper (Sopran),
Jörg Wilkendorf (E-Gitarre und Stimme),
Atrium Ensemble: Oliver Uden, Philipp Neumann, Martin Schubach, Frank Schwemmer

Regie und Ausstattung: Stefanie Wördemann/ Helmut Oehring
Film/Grafik/Bühnenbauten: Hagen Klennert
Musikalische Leitung: Franck Ollu
Ensemble Modern


Gemäß dem Festivalmotto „New Art is True Art“, sprich „Neue Kunst ist wahre Kunst“, begab sich der Komponist Helmut Oehring mit dem Auftragswerk Die WUNDE Heine auf die Spuren von Kurt Weill und Bertolt Brecht: Strukturell wie inhaltlich knüpfte er an deren Mahagonny Songspiel aus den späten 1920er Jahren an. In diesem Kontext versteht Oehring seine Arbeitsweise, den Inhalt und die Form der Komposition als Antwort und Fortsetzung darauf. Oehring griff die originale Vokal- und Instrumentalbesetzung von Weills Werk auf und ergänzte sie durch Solo E-Gitarre und Stimme sowie elektronische Soundeffekte. Als Grundlage des Textbuchs von Stefanie Wördemann dienten Gedichte von Heinrich Heine, die aus allen Schaffensphasen des für seine bissige Ironie bekannten Dichters stammen. Heinrich Heine, dessen Texte auch heute noch von beklemmender Aktualität sind, thematisierte bereits 100 Jahre vorher die politischen, kulturellen und ästhetischen Probleme und Herausforderungen, die auch die späten 1920er und frühen 1930er Jahre prägten. Mit dem Mahagonny Songspiel, der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und der Dreigroschenoper sagten Kurt Weill und Bertolt Brecht zeitlosen Feindbildern wie Kapitalismus und Nationalismus den Kampf an und verknüpften, wie von Heine vorausgesagt, neue Mittel und neuen Techniken zu einer neuen Kunst.

In einer kongenialen Partnerschaft stand der Uraufführung Der WUNDE Heine Kurt Weills Mahagonny Songspiel zur Seite. Das Stück, das seinerzeit als „Sensation“ beschrieben wurde und das Weill motivierte, gemeinsam mit Brecht einen neuen Typ von Oper zu schaffen, verschmilzt auf ebenso originelle wie grandiose Weise Elemente des Jazz, von Kabarettchansons und des lyrischen Gesangs und bildet so die grandiose Grundlage für die eingängigen Texte Bertolt Brechts. Trotz seines Erfolges wurde das Songspiel in der Baden-Badener Originalfassung nur ein weiteres Mal (1932) aufgeführt und blieb unveröffentlicht. Erst als der vor kurzem verstorbene britische Musikpublizist und Weill-Experte David Drew das Mahagonny Songspiel 1963 herausgab, hat sich das Stück mit stetig wachsendem Erfolg auch international durchgesetzt.

Mit dem Ensemble Modern, das bereits 2007 und 2008 beim Kurt Weill Fest gastierte, eröffnete eines der weltweit führenden Ensembles für Neue Musik das Festival unter Leitung von Franck Ollu. Der aus Frankreich stammende Franck Ollu war von 1990 bis 2004 als Erster Hornist selbst Mitglied des Ensemble Modern, hat sich seitdem als Dirigent international einen Namen gemacht und viele Werke von zeitgenössischen Komponisten uraufgeführt. Mit den Sopranistinnen Salome Kammer, die das Dessauer Publikum bereits 2006 als Artist-in-Residence in mehreren Konzerten erleben konnte, und Sylvia Nopper sowie dem Berliner Männervokalquartett Atrium Ensemble standen glänzende Mahagonny-Interpreten dem Protagonisten - dem Berliner E-Gitarristen und Sänger Jörg Wilkendorf - in Die WUNDE Heine zur Seite.

Eine Produktion des Ensemble Modern in Koproduktion mit der Oper Frankfurt, dem Kurt Weill Fest Dessau | Anhaltisches Theater Dessau und der MusikTriennale Köln

Eine Auftragskomposition von Ensemble Modern, Oper Frankfurt, Kurt Weill Fest Dessau und MusikTriennale Köln






© Roßdeutscher & Bartel GbR, Leipzig, 2012