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„Berlin im Licht“ ARTIST IN RESIDENCE
Lieder und Songs von Weill und Eisler
Dirigent und Bariton: HK Gruber
Ensemble Modern
Will man über die Musik von Kurt Weill schreiben, wäre es von Vorteil, man hätte eine Ausbildung als Eiskunstläufer genossen und wäre versiert in dreifachen Sprüngen auf einer polierten Fläche; Musik, das zeigt sich in solchen Situationen, ist besser durch non-verbale Kommunikation zu „erzählen“ als mit Worten. Wie sollte man zum Beispiel den unbeschreiblichen Drive, die phänomenale Qualität und die schlichte Faszination beschreiben, die sich durch das „kleine“ Musikstück von ungefähr 3.21 Minuten vermittelt, das der Titel-Song des 19. Kurt Weill Fest ist? Es blieb nur, alle Freunde von Kurt Weill in dieses Konzert einzuladen, um selbst zu erleben, wie das Ensemble Modern und HK Gruber den Ohrwurm „Berlin im Licht“ präsentieren.
Dabei sollten die langjährigen Besucher der Kurt Weill Feste wissen, dass eine Verwechslungsgefahr tatsächlich nur bei der Konzert-Überschrift zu dem Konzert bestand, das HK Gruber im Rahmen seiner Residenz 2008 mit dem Ensemble Modern schon gegeben hatte. Seine Faszination, die innere Spannung – und auch Entspannung! – bezog das diesjährige Festspiel-Schlusskonzert aus der Nebeneinanderstellung von Kurt Weill und Hanns Eisler, zwei der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sicher ist es so, dass durch die äußerst fragwürdige Haltung von Brecht zu Kurt Weill, zur Trennung des Erfolgs-Gespanns bei gleichzeitiger Verbrüderung von Brecht und Eisler die Freunde Kurt Weills in erheblicher Weise eingenommen wurden gegen Hanns Eisler. So verständlich auf den ersten Blick eine solche Haltung ist, so stellt sich doch die Frage, ob sie auch richtig sei; wäre es denn nicht, wenn man über diese „Verwerfungen“ hadern wollte, richtiger, seinen Hader bei Brecht anzubringen anstatt bei Eisler?
Kurt Weill und Hanns Eisler haben unvergleichliche Musik geschaffen und sie sind richtigerweise in einem Atemzug zu nennen, wenn es um die grandiose Begabung geht, zeitrelevante, gesellschaftskritische Botschaften so zu musikalisieren, dass bei stupender kompositorischer Qualität keine Front sich auftut zwischen Künstler und Zuhörer – eine Begabung, die so vielen Komponisten des 20. Jahrhunderts nicht gegeben war. Genie zu sein ist sicher immer eine rare Angelegenheit und doch hätte man es der Musik und den Komponisten des letzten Jahrhunderts ganz allgemein gewünscht, überspringendere Funken zwischen Bühne und Auditorium zu versprühen; dem „E“ der Musik wohnte dann heute weit weniger Distanz inne! Das Schlusskonzert von „BERLIN IM LICHT“ jedenfalls ließ vollständig vergessen, dass „Neue Musik“ etwas Elitäres sein könnte, etwas, das einem die Faszination am Zuhören nehmen könnte. Weill sei Dank.
Der Artist-in-Residence wird präsentiert von LOTTO Sachsen-Anhalt
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