Entdeckungen 21 | Ablauf & Termine | Entdecken Sie mehr | Rückblick
Prof. Dr. Matthias Henke
Prof. Dr. Matthias Henke
© Privat



Vertretung des landes Sachsen-Anhalt beim Bund
Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
© Archiv Landesvertretung


„Klimawende 1923“ –
Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit

Sicher, das Jahr 1918, das Kriegsende, stellte einen singulären Einschnitt dar, nach dem politisch und sozial kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Aber die Künste hinkten sozusagen nach, indem sich ihre große „Klimawende“ erst 1923 vollzog, ein Wechsel, den man gemeinhin mit dem „Kälteeinbruch“ der Neuen Sachlichkeit gleichsetzt. Quasi über Nacht verschwanden der Expressionismus und seine gelegentlich exaltierten Hervorbringungen aus den Buchläden, Galerien, Bühnen wie Konzertsälen. Seine Erkundungen des Seelenlebens und die ihm eigene Suche nach neuen oder auch extremen Ausdrucksmitteln galten nichts mehr, der künstlerische Blick widmete sich nun vermehrt einer Kultur des Alltags und den Massenphänomenen.

Die ENTDECKUNGEN 21 wollen diesen Umschwung schlaglichtartig beleuchten. Christian Ubber eröffnet sie mit einem Vortrag, der die „Klimawende“ an einem Generationenkonflikt verdeutlicht: am Beispiel Kurt Weills und seines Lehrers, des überaus erfolgreichen Opernkomponisten Engelbert Humperdinck. Hier die Welt der Märchenoper, dort, bei seinem Schüler, die Unterwelt der Dreigroschenoper – ein krasser, spannungsreicher Gegensatz. Dass Neue Sachlichkeit auch die InterpretInnen beeinflusste, erfahren wir im Vortrag von Detlef Giese – eine Entwicklung, die sich nicht zuletzt dem Medial Turn jener Jahre verdankt, so dem Rundfunk, der den ersten regelmäßigen Sendebetrieb 1923 in Berlin aufnahm.

Wie die „Klimawende“ konkret klanglich stattfand, zeichnet Florian Amort nach. Wie etwa positionierte sich ein so unbeugsam erscheinender Komponist wie Arnold Schönberg zu Neuen Sachlichkeit? Gab er den modischen Tendenzen nach? Passgenau präsentieren Julia Spies und Laura Schwind ein kontrastreiches Konzert, das den „Duft aus alter Zeit“ in Schönbergs Liederzyklus Buch der hängenden Gärten spiegelt, dem unvermittelt Songs von Weill und Chansonartiges von Ernst Krenek folgen. Kaum eine andere Institution wird heute in einem solchen Maß als Flaggschiff der Moderne gehandelt wie das zunächst in Weimar residierende, dann nach Dessau wechselnde Bauhaus, das 2019 sein 100. Jubiläum feiern kann! Werner Grünzweig porträtiert in diesem Kontext den Pianisten-Komponisten Eduard Erdmann, der mehrfach auf der berühmten Bauhaus-Bühne in Dessau gastierte. Dem vielseitigen Bauhausschüler René Halkett widmet sich wiederum Thomas B. Schumann, der 2011 dessen Autobiografie Der liebe Unhold verlegt hat – ein Zeitbild eben jener Jahre, die im Mittelpunkt der ENTDECKUNGEN 21 stehen. Den Abschlussvortrag übernimmt der Kunstwissenschaftler Joseph Imorde, indem er die „Klimawende“ von einem speziellen Standpunkt aus betrachtet. Inwieweit, so seine Frage, wirkte die Kunstkritik am Niedergang des Expressionismus mit?

Folglich verstehen sich die ENTDECKUNGEN als Auftakt zum Bauhaus-Jahr 2019, aber auch gewissermaßen als Avantgarde, als Vorhut, des kommenden Kurt-Weill-Fest.


Prof. Dr. Matthias Henke
Kurator der ENTDECKUNGEN







Wir danken
unseren Sponsoren



Informations & Kartenservice

0341-14 990 900

Der Besuch der Veranstaltungsreihe ENTDECKUNGEN ist kostenlos und steht allen Interessierten offen.


Zusendung Programm

Wir senden Ihnen gerne unverbindlich und kostenlos den aktuellen Programmablauf für die ENTDECKUNGEN-Reihe zu. Bitte hinterlassen Sie dazu Ihre Adresse.

[Adresse hinterlassen]





© Roßdeutscher & Bartel GmbH, Leipzig, 2018